Anregungen …

April 25, 2019

Das Anliegen,

das sich mit dieser Spalte verbindet, sehe ich darin, mit Hinweisen auf Zusammenhänge aufmerksam zu machen, die unsere Arbeit unter den Prämissen ihrer humanwissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Dimensionen tangieren. Anregungen also, die zu bedenken sind, zum Denken anregen, oder auf Bedenkenswertes aufmerksam machen sollen. Das allerdings in sehr sparsamer Weise, sind die Überflutungen mit Informationen, die oft jenseits von Wissen sind und kaum auf Erkenntnissen basieren, die als solche zu bezeichnen wären, inzwischen geradezu in astronomischen Größenordnungen angestiegen. Sinnlose Hypes, Events und anglizistische Verbrämungen, denen geradezu nachgehächelt wird, sind im Fach schon mehr als omnipräsent – dieser Zustand soll nicht noch gefördert werden; im Gegenteil!

Von Hiroshima nach Tihange – eine historische Verbindung

Aufmerksam machen möchte ich Sie anlässlich der Aufkündigung der INF-Verträge zwsichen den USA und Rusland über nukleare Mittelstreckenraketen, anlässlich des 74. Jahrestages des Atombombenabwurfs am 06. August 1945 auf Hiroshima und der aufkommenden Frage, eines neuen Wettrüstens und der Vorstellungen einiger Think-Tanks zur Möglichkeit der Führung eines atomaren Krieges auf eine Sendung von SWR 2 -Wissen. Sie thematisiert den belgisch-amerikanischen Uranvertrag von 1942 bezogen auf die Uranvorkommen in der Kolonie Belgisch-Kongo und in diesem Zusammenhang Einsteins Vermittlungsfunktionen und Kontakte zu Belgiens Königshaus und das Scheitern seiner späteren Bemühungen, die Atombombe nicht einzusetzen.

Das mag uns heute fern sein, aber sich damit zu befassen kann anregen, über die eingetretene neue Weltlage zur atomaren Bewaffnung nachzudenken, über einen neuen kalten Krieg, der schnell zu einem heißen werden kann und wie sehr Prozesse der Humanisierung und Demokratisierung menschlichen Zusammenlebens auf dem Spiel stehen – relevant auch für die Pädagogik.

Link zur Sendung, die auch heruntergeladen werden kann:

https://www.swr.de/swr2/wissen/SWR2-Wissen-Von-Hiroshima-nach-Tihange,broadcastcontrib-swr-29310.html [06.08.2019]

Die „Banalität des Bösen“

Am 21. Juli 2019 sendete SRF 2 in seinem Programm „Passagen“ ein 1965 mit Hannah Arendt geführtes Interview, das ihre Aussage über die „Banalität des Bösen“ zum Gegenstand hat und sich auf ihr gleichnamiges Werk bezieht, das seine Grundlage in ihren Beobachtungen im Prozess gegen den NS-Verbrecher Adolf Eichmann hat.

In diesem Interview, das nicht nur historisch interessant ist, sondern sehr wohl auch bezogen auf die jüngsten Verbrechen aus dem rechtsradikalen Spektrum unserer Gesellschaft, nimmt sie dazu Stellung. Hier der Link zur Sendung, die auch heruntergeladen werden kann:

https://www.srf.ch/sendungen/passage/hannah-arendt-interpretiert-die-banalitaet-des-boesen [22.07.2019]

Disruption im Lohngefüge

Da erinnert mich doch eine Spalte in der Schweizer Handelszeitung mit der Nr. 18 vom 11. Juli 2019 auf S. 17 an meine Jahrzehnte alte Auffassung, dass die Erzieherinnen und Erzieher in der Frühen Bildung nicht nur die best ausgebildeten Pädagoginnen und Pädagogen sein müssten, sondern auch die mit der höchsten Bezahlung. Schülerinnen und Schüler, die es im bestehenden Erziehungs-, Bildungs- und Unterrichtssystem ins Gymnasium geschafft haben, vermögen, so denke ich, trotz ihrer Lehrpersonen zu lernen. Aber die Kleinen im Altersbereich bis 6 Jahre dedürfen der Lehrpersonen als umfassend gebildete, authentische, kommunikativ und sozial-kooperativ hoch kompetente und beziehungsfähige Personen, die die Potenziale der Kinder zu erkennen vermögen und ihr Lernen in Bezug auf das, was aus ihnen der Möglichkeit nach werden kann (so dem Sinn nach Martin Buber) zu begleiten vermögen. [GF: 19.07.2019]

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Wie glaubwürdig ist Evidenzbasierte Medizin? Eine Kritik am Beispiel der Antidepressiva.

Die oft unkritisch daherkommende Faszination so genannter ‚Evidenzbasierter Forschung‘ hat längst in die Domäne der Erziehungswissenschaft, Regel-, Heil- und Sonderpädagogik Einzug gehalten. Ein kritischer Diskurs dazu ist noch nicht etabliert, wenngleich angeregt. Exemplarisch verweise ich auf eine Arbeit von Rödler, P. (2013): Inklusion ist evident begründbar, aber nicht evident machbar. In: Behindertenpädagogik, 53, 4, S. 381-388.

Mit Bezug auf die vorstehende Überschrift möchte ich auf eine Antrittsvorlesung von Hern Michael P. Hangartner am 23. Februar 2019 an der Universität Zürich aufmerksam machen, die sich kritisch mit der aufgeworfenen Frage von Wirksamkeit und Sicherheit von Medikamenten in der Medizin allgemein und im Speziellen bezogen auf Antidepressiva beschäftigt. Die Vorlesung wurde mitgeschnitten und von der UZH am 26.02.2019 publiziert.
Wenn unter Einnahme von Medikamenten in einer der zitierten Studien Suizidversuche als „emotionale Labilität“ kategorisiert werden, dürfte allein schon das höchste Aufmerksamkeit erregen.
Der Begriff der EBM (evidence-based-medicine), der ‚empririsch belegten Heilkunde‘ wurde in der Meizin entwickelt und in den deutschen Sprachraum übernommen, in dem der Begriff „Evidenz“ oft auch die Auslegung einer ‚keines Beweises erforderlichen Offensichtlichkeit‘ erfahren hat. Das heißt: Zweimal hinschauen und doppelt kritisch analysieren.

Link zur Antrittsvorlesung: Wie glaubwürdig ist Evidenzbasierte Medizin? Eine Kritik am Beispiel der Antidepressiva. Weiter >>

Stephan Becker ist am 02. Juni 2019 verstorben.

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CHANGE – Warum wir eine radikale Wende brauchen

Ein im KOMPLETTMEDIA Verlag erschienenes Buch von GRAEME MAXTON (2018 in erster Auflage erschienen; es umfasst 159 Seiten; ISBN 978-3-8312-0474-8) behandelt die „Umweltkrise“ von der heute in kaum noch zu überblickenden Zusammenhängen die Rede ist, nach einem Vorwort in vier  Kapiteln mit den Themen: Das Problem / Was geschieht, wenn sich die Menschheit nicht ändert? / Die Welt braucht eine radikale Wende / Neue Fundamente errichten.

Man mag schon genervt sein, ständig mit diesen Fragen konfrontiert zu werden, verstärken sie bei aller Motivation für einen „Change“ das Gefühl der eigenen Ohnmacht Entwicklungen gegenüber, die unsere Erde in einen Planetozid steuern und das Sozialgefüge der Menschen schon weitgehend zerstört haben. Maxton sagt zu Beginn des Vorworts zu seiner Schrift von sich selbst: „Ich bin kein Träumer“ und er „möchte, dass Sie verstehen, wie ernst die Situation heute ist und was passieren wird, wenn wir so weitermachen wie bisher“ (S. 7).

Diese Intention lässt mich Sie auf dieses kleine Buch aufmerksam machen. Dies auch seinen manchmal auftauchenden inneren Widersprüchen wegen, die auch der Komplexität der Zusammenhänge geschuldet sein mögen und obowohl es da und dort gewünschte Differenzierungen oder Vertiefungen nicht einlöst, Fragen anschneidet, sie aber nicht beantwortet oder auch Abwehr provoziert u.a.m.
Und ich würde mir wünschen, dass die Lektüre gerade die Leserinnen und Leser, die mit Fragen der Erziehung und Bildung, von Kindergarten, Schule, Berusbildung, Hochschule und Universität befasst sind, die Frage aufwerfen lässt, wie wir, wäre nur weniger als die Hälfte der Probleme, die das Büchlein aufwirft, als real und wirklich anzuerkennen, ohne grundlegenden „Change“ das bestehende institutionalisierte Bildungs- und das bestehende Schulsystem noch immer weiterführen, es vertreten und aufrecht erhalten können. Was ist mit uns los? Und welcher Verbrechen an der Zukunft der Menschheit machen wir uns schuldig?

Die Bewältigung der „Umweltkrise“ mit Mitteln der gegenwärtigen Marktwirtschaft, die ihr zentraler Verursacher ist, wie es die Bundesregierung anstrebt, dürfte so absurd und paradox sein, wie es das Bemühen um die Integration der Inklusion in das bestehende hoch selektierende und segregierende Erziehungs-, Unterrichts- und Bildungssystem ist.

[Der Autor ist Ökonom, Vollmitglied des Club of Rome und fungierte zwischen 2014 und 2018 als dessen Generalsektretär. In seinen Werken wendet er sich in scharfer Kritik am modernen ökonomischen Denken u.a. gegen die Wachstumslüge.] [GF: 17.07.2019]